DGL Heimspieltag - Wenn nicht nur die Bälle fliegen -

Um 7.30 Uhr flogen die ersten Bälle, gegen 20:30 Uhr am Abend kam der letzte Flight rein. Der doppelte Heimspieltag des Mainzer Golfclubs im Rahmen der Deutschen Golf Liga war ein langer Tag mit manch langen Gesichtern, hat der Platz in Budenheim doch wieder seine Zähne gezeigt. „Einer der schwersten Plätze in Deutschland“, befindet nicht nur der Mainzer Damen-Trainer Mark Mattheis. Fliegende Schläger nach Fehlschlägen und Ergebnisse wie einer 13 an Loch 3, als der Abschlag über die Schlucht in dem ehemaligen Steinbruch so manchen Regionalliga-Golfer bei Temperaturen um die 30° Grad noch mehr den Schweiß auf die Stirn trieb, gehörten auch zum eher ungewöhnlichen Bild. Aber auch strahlende Gesichter.

 

Nele Barber und Tom Ammann überzeugen

 

„Das Gemeinschaftsgefühl, für die Mannschaft auf dem eigenen Platz zu spielen, war wieder etwas Besonderes“, freute sich Nele Barber auch über das Ergebnis. Die 16-jährige Ebersheimerin brachte zusammen mit Fehild Gräsel mit einer 78 das beste Mainzer Einzel-Ergebnis nach Hause. Mit insgesamt 41 über Par und dem Tagessieg mit 36 Schlägen Vorsprung setzten die jungen Mainzer Damen die Vorgaben ihres Trainers um. Der Aufstieg in die Regionalliga sollte am Ende kein Problem sein. „Vom Handicap sind wir schon die stärkste Mannschaft“, ist Barber, die in Nieder-Olm aufs Gymnasium geht, und am folgenden Tag nach der Schule direkt wieder auf dem Golfplatz stand, zuversichtlich. Mattheis sieht noch viel mehr Potenzial bei seinen Schützlingen, die zum großen Teil auch dem Landeskader angehören: „Die jungen Spielerinnen werden ja noch besser und sollten dann auch mindestens zweitligatauglich sein.“

 

In die besagte Zweite Liga wollen die Herren des Mainzer GC unbedingt. Nach mehreren bisher vergeblichen Anläufen sagt Topspieler Tom Ammann: „Wenn wir alle noch ein bisschen mehr Gas geben, ist die Chance noch nie so groß gewesen.“ Die Gefühle nach dem Heimauftritt waren aber durchaus zwiegespalten. Zwar stehen die Mainzer mit dem zweiten Tagesrang nun punktgleich mit dem GC Rheintal auf Rang eins, doch der anvisierte Heimsieg wurde gegenüber Rheintal (plus 106) mit sieben Schlägen Rückstand verpasst.

Da nutzte auch die mit Abstand beste Tagesrunde mit eins über Par von Ammann nichts. „Ich hatte sogar das Gefühl, eine drei oder vier unter spielen zu können“, brachte sich der 24-Jährige mit einem unnötigen Doppel-Bogey auf der 16 um ein noch besseres Ergebnis.

Doch der Mainzer, der seit vergangenem Jahr an der amerikanischen Faulkner University in Alabama mit einem Golf-Stipendium Sportmanagement studiert, scheint durch den USA-Aufenthalt golferisch und menschlich gereift zu sein. „Dort spielt man auch jeden Tag Golf“, verdeutlicht Ammann, der an diesem langen Golftag in Mainz nach 36 Löchern aber auch froh war, im Bett zu sein. Die Herren agierten laut Modus nach den Einzeln noch in einem Vierer zusammen, was nicht nur eine konditionelle, sondern vor allem auch mentale Herausforderung ist.

 

„Die Mädels sind ein Stück weit entspannter“, beobachtete Spielleitung Andreas Grimm von seinem „Monster-Cart“ aus das Geschehen den ganzen Tag über. Dass er dabei auch mal ungewollt in einer steilen Kurve die Bodenhaftung verloren hatte und cool dabei blieb, wo andere schon in Panik verfallen wären, spricht für die Gelassenheit des Course Marshalls. „Ein extrem langer Tag mit teils fast sechs Stunden Spielzeit für eine Runde und einem tollen Ergebnis für die Damen“, zog auch der Mainzer Sportdirektor Thomas Binger Bilanz, der eine hohe Erwartungshaltung im Club an die beiden Mannschaften ausmacht.

 

(Text Torsten Muders VRM/Allgemeine Zeitung Mainz)